Revolution

Was man über den Syrien-Konflikt wissen sollte

protest idlib

Syrien ist aus der Berichterstattung nicht mehr wegzudenken. Ständig sieht man Bilder leidender Zivilisten, zerstörter Städte und vom Kampf der Rebellen der Freien Syrischen Armee gegen einen grausamen Diktator. Für Unkundige erscheint dieser Konflikt besonders kompliziert. Wie konnte es dazu kommen, dass die Gewalt derart eskaliert? Schließlich begann die Revolution mit Demonstrationen für mehr Freiheit und nicht mit einer bewaffneten Rebellion. Wer kämpft eigentlich gegen wen? Was für eine Rolle spielen al-Qaida oder die Hisbollah? Folgender Artikel soll die wichtigsten Fragen so einfach wie möglich und umfassend wie nötig beantworten und ist an ein Publikum gerichtet, dass sich nicht ständig mit dieser Thematik auseinandersetzt.

Inhalt

1. Wie alles begann

2. Proteste für ein demokratisches Syrien und den Sturz des Regimes

3. Die Gründung der Freien Syrischen Armee

4. Zwischenfrage: Warum spielt die Religion bei dem Konflikt eine so große Rolle?

5. Zwischenfrage: Wer kämpft gegen wen?

6. Erstes Auftreten sunnitischer Islamisten

7. Menschrechtsverletzungen und Übergriffe auf die Zivilbevölkerung

8. Warum konnten die sunnitischen Islamisten so stark werden?

9. Der Sturm der Freien Syrischen Armee auf Aleppo: Mit dem Islam gegen Assad

10. Al-Qaida in Syrien: Die Kämpfer von Jabhat an-Nusrah

11. Andere große sunnitisch-islamistische Verbände

12. Interessen der Staaten Iran, USA, Russland und Israel

13. Sunniten gegen Schiiten: Der Eintritt von Hisbollah und schiitischen Milizen in den Krieg (mehr …)

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Syrien: Warum sich das Gesicht der Revolution veränderte

Seit Anfang 2012 treten in Syrien immer mehr islamistische Gruppierungen auf. Zu ihnen gehören etwa die Kata’ib Ahrar ash-Sham (Verbände der Freien Syriens) oder Jabhat an-Nusrah (Unterstützungsfront) Straff organisiert und mit enormer militärischer Schlagkraft liefern sie nun die lang ersehnte Unterstützung, die sich die Revolutionäre und die Freie Syrische Armee zunächst aus dem Westen erhofft hatten. Durch das Schweigen unserer „Volksvertreter“ fühlen sich die Menschen vor Ort im Stich gelassen oder werten dies als stille Zustimmung zum brutalen Vorgehen des Regimes. Gleichzeitig zeigen viele Selbstgerechte in Europa und den USA auf die Radikalisierung und legitimieren dadurch die Enthaltung der Staaten, die sonst ihre freien und demokratischen Staatsformen als maßgeblich für die gesamte Welt preisen. Doch was ist der Grund dafür, dass islamistische Organisationen in der Form in Syrien Fuß fassen können? Was bleibt von den Idealen der Revolution und wie und warum hat sich das Gesicht der Revolution derart geändert? Folgende Dokumentation „Vergießt keine Tränen mehr“ – Wie Anwar radikal wurde gibt darüber Aufschluss.

Screenshot aus "Vergießt keine Tränen mehr" - Wie Anwar radikal wurde, Foto: Fabian Schmidmeier

Aleppo: Von der Welt im Stich gelassen?

Folgende Kurzdokumentation von Channel 4 News  zeigt den brutalen Alltag in der kriegsgebeutelten, syrischen Millionenmetropole Aleppo. Die Bevölkerung fühlt sich von der Welt im Stich gelassen und vom Westen, in den viele zu Beginn ihre Hoffnung setzten, verraten.

2 Jahre danach: Graffiti der ägyptischen Revolution

Die Welt blickte gebannt auf die Fernsehbildschirme, als die Großdemonstrationen gegen den langjährigen Machthaber Hosni Mubarak und sein auf Korruption, Zensur und brutaler Unterdrückung basierendes Regime begannen. Heute jährt sich die „Revolution des 25. Januar“ zum zweiten Mal. Junge Revolutionäre begannen die Ereignisse dieser Tage und auch den Frust darüber, zentrale Forderungen immer noch nicht erreicht zu haben,  in einer speziell für Ägypten charakteristischen Streetart auszudrücken. Solch eine Form der Kunst hat es so in dem Land noch nie gegeben. Sie erstreckt sich von subversiven Tags, Schablonen-Graffiti bis kunstvollen Gemälden, mit denen einerseits den Märtyrern gedacht, aber auch die alten und neuen Herrscher am Nil mit Humor aufs Korn genommen werden.

(Auf das erste Bild klicken um Slideshow zu starten)

Al Jazeera: Dokumentation über die Revolution in Bahrein

Hier eine sehenswerte Dokumentation des arabischen Fernsehsenders al-Jazeera über die Proteste in Bahrein aus dem Jahre 2011:

Ägypten: Kommt jetzt die dritte Revolution?

Foto: Hannah El

Demonstranten auf dem Tahrir-Platz Foto: Hannah

„Irhal“ steht auf eine Wand gesprüht. Auf Deutsch heißt dies so viel wie „verschwinde!“. Das Graffiti stammt aus den Tagen der Ägyptischen Revolution, die vor gut einem Jahr, inspiriert durch die Ereignisse in Tunesien, ausbrach. Was lange gärte ward endlich Wut. In den dreißig Jahren seiner Herrschaft hatte Mubarak vor allem durch Korruption, Vetternwirtschaft und Repression gegen politisch Andersdenkende den Zorn des 80 Millionen Einwohner zählenden arabischen Landes auf sich gezogen.  Von einer Wirtschaftsreform profitierte nur eine kleine Elite,  Energie- und Lebensmittelpreise stiegen drastisch, ein Großteil der Bevölkerung war bereits unter das Existenzminimum gerutscht. Als ein Bekannter von mir nach einjährigem Auslandsaufenthalt in der Hauptstadt Kairo nach Deutschland zurückkehrte, meinte er zu mir „…da braut sich etwas Gewaltiges zusammen. Ein Funke und es gibt einen riesigen Knall!“. Er sollte recht behalten. Am 25. Januar diesen Jahres setzte sich ein riesiger Protestzug in Bewegung. In allen Städten Ägyptens kam es zu Kundgebungen und schließlich zu einer Eskalation, teilweise mit bürgerkriegsähnlichen Szenen. Doch die Übermacht des Volkes konnte niemand aufhalten. Mubarak musste abdanken, das Militär übernahm von nun an die Macht und verkündete den Ägyptern einen Demokratisierungsprozess und Parlamentswahlen abhalten zu wollen. Doch seit einigen Tagen stehen erneut Zelte auf dem Tahrirplatz, Zehntausende Menschen gehen auf die Straße und fordern den Rücktritt des Militärregimes und die vollständige Abtretung der Macht an ein Parlament. Wiederholen sich nun die Ereignisse? Steht Ägypten einer neuen, einer dritten Revolution bevor? Falls ja, welche Gruppierungen werden als Sieger hervorgehen, etwa die vom Westen oft gefürchtete Muslimbruderschaft oder gar radikale Salafisten?

Orientkolloq hat versucht die Ereignisse grob chronologisch zu ordnen und für eine Prognose mit einer Augenzeugin der ersten Revolution und der renommierten Historikerin und Leiterin des Lehrstuhles für Islamwissenschaft der FU Berlin, Frau Prof. Dr. Gudrun Krämer, gesprochen. (mehr …)