Koran

Islam und Apokalypse: Gog und Magog im mittelalterlichen islamischen Denken

Gog und Magog Wiki

In der Bibel finden sich zahlreiche Erzählungen und Prophezeiungen von bevorstehenden apokalyptischen Ereignissen. So auch von Gog und Magog. Diese sind, je nach Interpretation, ein oder mehrere Völker, die am Ende der Zeit, von Norden kommend, die Levante verwüsten und Tod und Verderben auf der Erde verbreiten werden. Insbesondere das Buch Ezechiel (AT) und die Offenbarungen des Johannes (NT) sind geprägt von den Erzählungen um Gog und Magog. Da sich der Islam als Fortsetzung von Judentum und Christentum versteht, ist es nicht verwunderlich, dass die selben apokalyptischen Narrative und Prophezeiungen auch im Koran angesprochen werden und Raum für weitreichende Spekulationen und Interpretationen bieten. (mehr …)

Koran und Offenbarungsanlässe: Tradition als Schlüssel zu moderner Interpretation

Mein neuer Debattenbeitrag: Warum der Islam keinen „muslimischen Martin Luther“ braucht

Fabian Schmidmeier

IMG_0547Die Flüchtlingskrise hat auch die Islam-Debatte wiederentfacht. Der Islam sei, so lassen es beispielsweise die AfD oder Pegida verlauten, mit „westlichen Werten“ inkompatibel. Als Begründung wird oft eine fehlende „Aufklärung“ angeführt. „Der Islam“ müsse als Nachzügler der Moderne endlich eine historisch-kritische Methode entwickeln. Doch wer in historische Hadith-Literatur (anm. Hadith=Prophetenüberlieferung) und Werke zu Koranexegese und islamischer Rechtsfindungsmethoden blickt, der erkennt, dass der Islam bereits über eine eigene historische bzw. historisierende Methode verfügt – und das seit Jahrhunderten.

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Asbab an-Nuzul: Die historische Methode als Tradition des Islam

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Vielerorts wird in Debatten die pauschalisierende Aussage, der Islam müsse noch eine „Aufklärung“ durchmachen und benötige dringend einen „muslimischen Martin Luther“ verkündet. Ob es angesichts der neosalafistischen Ideologie tatsächlich so sinnvoll ist, sich an jenem Luther zu orientieren, der in seinen „Judenschriften“ einen radikalen Antijudaismus predigte, 1543 die Vertreibung der Juden aus den evangelischen Fürstentümern erreichen und sich gerade bezüglich der hebräischen Bibel stärker am Ur-Wortlaut orientieren wollte, sei einmal dahingestellt. Von seiner Haltung gegenüber Ketzern einmal ganz abzusehen.

In der islamischen Theologie gibt es vielmehr seit den frühesten Jahrhunderten islamischer Zeitrechnung eine Art „historisierende Methode“, die seit jeher ein fester Bestandteil der Koranexegese und Textauslegung ist. Diese asbab an-nuzul (dt. „Anlässe der Offenbarungen“) stellen die einzelnen Koranverse mithilfe von Überlieferungen in einen historischen Kontext, auf dessen Basis sich das Produkt der Auslegung oftmals grundlegend vom Wortlaut des jeweiligen Verses unterscheidet. Wäre es statt einem „muslimischen Luther“ und einer „Aufklärung“ daher nicht sinnvoller, Neuinterpretationen auf Grundlager einer Rückbesinnung auf traditionelle islamische Auslegungsformen zu erwirken?

Auf die Rolle der in der öffentlichen Diskussion um „den Islam“ aber auch im innermuslimischen Diskurs gänzlich untergehenden „Offenbarungsanlässe“ geht folgende wissenschaftliche Arbeit ein [Arbeit hier lesen … ]