Islamismus

„Islamistische“ Bewegungen seit dem Arabischen Frühling in Tunesien, Ägypten und Syrien

Mein neuer Artikel für die Politischen Studien (Nr. 471) der Hanns Seidel Stiftung über die Entwicklung „islamistischer“ Bewegungen in Tunesien, Ägypten und Syrien ist jetzt online: https://www.hss.de/d…/publications/PS_471_NAHER_OSTEN_04.pdf

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„Café Abraham“ in Erlangen: „Kampf der Kulturen? Nicht mit uns!“

Café Abraham 1 Die schrecklichen Bilder der IS-Terroristen sind in diesen Tagen jedem bekannt. Neu entfacht ist dabei eine „Islam-Debatte“, die oft in die Richtung geführt wird „kann der Islam zu Deutschland gehören?“, „ist der Islam eine gewalttätige Religion?“. Im Irak werden Christen und Jesiden im Namen des Islam brutal verfolgt, vertrieben und ermordet. In den vergangenen Tagen erschien bei The Guardian ein Artikel, wonach George W. Bush gegenüber Jaques Chirac seinen Einmarsch im Irak mit einer biblischen Prophezeiung gerechtfertigt haben soll. (mehr …)

Syriens Salafisten: Die Charta der Islamischen Front

Cover Charta Islamische FrontAm 22. November 2013 änderten sich die Kräfteverhältnisse in der bewaffneten syrischen Opposition schlagartig, als sich ein Großteil der inzwischen radikalisierten Kampfformationen von der Freien Syrischen Armee abspaltete und die Gründung der Islamischen Front bekannt gab. Diese neue militärische Dachorganisation präsentierte sich mit einer salafistischen Ausrichtung und veröffentlichte ihre politischen, religiösen und militärischen Grundsätze in einer Charta.

Das deutsche Publikum tut sich mit der Betrachtung der Vorgänge im Nahen Osten schwer, insbesondere wegen sprachlicher Barrieren. Um zu verstehen, was Syriens Salafisten für Vorstellung von einer politischen Neuordnung nach einem Sturz al-Asads haben, habe ich diese Charta ins Deutsche übersetzt. In der Übersetzung habe ich mich bemüht besonders nah am arabischen Text zu bleiben. Die Stellen, die mir Schwierigkeiten bereitet haben, wurden rot markiert.

Im Anschluss an die Charta der Islamischen Front finden Sie eine Übersetzung des Grundsatzprogramms der Vorgängerorganisation Syrische Islamische Front, die aber noch weitgehend unter dem Dach der Freien Syrischen Armee und des oppositionellen Syrian Military Council operierte.

 

Falls es Verbesserungsvorschläge im Bezug auf die Übersetzungen gibt, hinterlasst diese einfach im Kommentarbereich oder schreibt mir eine Email an fabian.schmidmeier@gmail.com.

 

Die Charta der Islamischen Front auf Arabisch: ميثاق الجبهة الإسلامية

Deutsche Übersetzung: Charta der Islamischen Front – Projekt Umma

 

Charta der Vorgängerorganisation Syrische Islamische Front: ميثاق الجبهة الإسلامية السورية

Deutsche Übersetzung: Die Charta der Syrischen Islamischen Front

 

 

Assad der lachende Dritte

Nachdem die großen syrischen Rebelleneinheiten vor gut zwei Wochen eine Großoffensive gegen die al-Qaida-Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) begannen (DerOrient.com berichtete), scheint sich eine Befürchtung innerhalb der Opposition zu bewahrheiten: Assad versucht von der Zerstrittenheit seiner Gegner militärisch zu profitieren.

RebellengegenAssadAleppoISIS musste unterdessen die meisten Stellungen im Großraum Aleppo räumen. Nord-Syrien war seit dem Beginn der Kämpfe und dem Sturm auf Aleppo im Juli 2012 fest in Rebellenhand. Unterstützt wurden die Rebellen vielerorts von salafistischen Jihadisten aus dem Ausland, die über besondere Kampferfahrung verfügten und daher als Spezialeinheiten der Rebellen fungierten. Doch diese fallen nun weg. Im Osten Syriens erleiden die syrischen Rebellen massive Verluste gegen die Kämpfer von ISIS, da diese über Nachschubrouten aus dem Irak verfügen. ISIS konnte die ost-syrische Stadt ar-Raqqa und das Umland inzwischen wieder unter militärische Kontrolle bringen.

Jetzt versuchen regimetreue Truppenkontingente genau an den Stellen vorzustoßen, die von den kampfstarken al-Qaida-Kämpfern zuvor geräumt worden waren. Al-Qaida verfährt bei seinem Rückzug nach dem Grundsatz „verbrannte Erde“. Droht die Einnahme eines Hauptquartieres oder einer Stellung durch die Freie Syrische Armee, die Islamische Front und deren Verbündete, werden alle Gefangenen zusammengetrieben und erschossen. Gelingt es einer al-Qaida-Einheit Rebellen gefangen zu nehmen, werden diese auf der Stelle exekutiert. Alle gegen al-Qaida kämpfende Rebellen werden als Ungläubige oder Apostaten angesehen und sind damit hinzurichten.

Nach Angaben des arabischen Nachritensenders al-Jazeera hat die Syrische Armee von Baschar al-Assad damit begonnen, strategisch wichtige Zugangsstraßen und Gebiete am Stadtrand der Wirtschaftsmetropole Aleppo zu attackieren und kann jetzt erfolgreicher vorstoßen, da große Kontingente der Rebellenbrigade im Kampf gegen al-Qaida gebunden sind. Unterstützt wird Assad inzwischen auch im Umland von Aleppo von schiitischen Jihadisten aus dem Irak und der libanesischen Hisbollah.

Analyse der Ereignisse der Revolution in Syrien von März 2011 bis Mai 2013:

Was man über den Syrienkonflikt wissen sollte

Eine Zusammenfassung der Ereignisse von der Schlacht um al-Qusayr Mitte 2013 bis heute ist in Bearbeitung

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Syriens Rebellen erklären al-Qaida den Krieg

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Interview: Was wollen Syriens Salafisten?

Interview: Was wollen Syriens Salafisten?

Am 22. November 2013 schlossen sich sieben islamistische Rebellengruppen in Syrien zur Dachorganisation Islamische Front zusammen. Diese beinhaltet die salafistische Gruppe Ahrar ash-Sham (dt. die Freien Groß-Syriens), die in ganz Syrien operiert, die Suqur al-Sham (dt. die Falken Groß-Syriens) aus Idlib, die bisher gemäßigt auftretende und früher unter Kommando der FSA kämpfende Liwa’u t-Tawhid (dt Einheitsbrigade) aus Aleppo, die Dschaisch al-Islam (dt. Armee des Islam) aus Damaskus, Liwa’u l-Haqq (dt. Wahrheitsbrigade) und die al-Dschabhat al-Kurdiya (dt. Kurdische Front). Die Islamische Front löste damit die Freie Syrische Armee als größte oppositionelle Kampforganisation  (mit zwischen 45.000 und 60.000 Kämpfern) ab. Ziel der Islamischen Front ist die Etablierung eines Islamischen Staates. Doch gleichzeitig ist der Kampfbund ein Gegner der al-Qaida-Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS bzw. ISIL).

Doch was wollen Syriens Salafisten? Was heißt für sie Scharia? Was sagen sie zu Frauenrechten, Rechten für Minderheiten, wie Christen, Schiiten, etc.?

Al-Jazeera hat sich mit dem Chef von Ahrar al-Sham und Leiter des Politbüros der Islamischen Front, Hassan Aboud, getroffen, um ihm diese Fragen zu stellen.

Islamisten gegen Hamas: Salafisten in Gaza

Im Zuge der jetzigen Eskalation in Nahost werden maßgeblich Mitschuldige an der derzeitigen Situation äußerst wenig betrachtet: salafistische Milizen. Denn hinter den terroristisch motivierten Raketenangriffen auf Israel in den letzten Tagen stehen meist al-Qaida Gruppierungen, die auf der einen Seite Israel als ihren Feind ansehen, aber auch die Hamas radikal bekämpfen. (mehr …)

Interview mit Gudrun Krämer: „Ein ziviler Staat mit islamischem Referenzrahmen“

Während der Revolution versammelten sich tausende Gläubige auf dem Tahrir-Platz zum Gebet

Die Bilder gingen um die Welt, als in den arabischen Staaten die Menschen zu Hunderttausenden auf die Straßen strömten und den Sturz ihrer Herrscher forderten. Westliche Staatschefs wussten nicht so recht, wie sie die neuen Ereignisse einordnen sollten. Waren dies nur vorübergehende Erscheinungen oder doch erste Anzeichen eines historischen Umbruchs im Vorderen Orient? Könnten am Ende solcher Umwälzungen liberale Demokratien, regionalspezifische Mischsysteme oder doch eine Renaissance islamischer Orthodoxie stehen? Folgt in Ägypten jetzt die Machtübernahme der im Westen oft gefürchteten Muslimbruderschaft?

Eine Kennerin dieser Region ist die Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Gudrun Krämer. Im Rahmen eines Vortrages über die Muslimbruderschaft konnten zwei Redakteure der Studierendenzeitung Akon des Arbeitskreises Orient der Otto-Friedrich Universität Bamberg, Gudrun Krämer zu den aktuellen Ereignissen in Ägypten und der zukünftigen Rolle der Muslimbrüder befragen. (Zum Parteiprogramm geht’s hier)

Fabian Schmidmeier:Frau Krämer, wie haben Sie die Revolutionen in Ägypten und den anderen arabischen Staaten erlebt? Man hatte bei den Reaktionen der westlichen Staatschefs das Gefühl, dass diese Revolten sie kalt erwischten und niemand wirklich damit gerechnet hatte. Haben Sie es für möglich gehalten, dass sich eine Revolution anbahnt? (mehr …)