Hisbollah

Interview mit 3alog: Die Entwicklung des Syrien-Konflikts hin zu einem Krieg mit konfessionellen Zügen

3alog hat mich zu den Entwicklungen in Syrien von Demonstrationen im Zuge des Arabischen Frühlings hin zu einem internationalen Konflikt mit konfessionellen Zügen befragt. Ich habe dabei versucht, die Ereignisse möglichst knapp darzustellen. Bei der Komplexität es Konfliktes mussten daher einige andere Punkte ausgelassen werden.

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Die syrische Revolution (Teil 3) – Die radikal-schiitischen Milizen an der Seite Assads

 

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„Gemeinsam bis zur Befreiung“ steht auf einem Plakat mit Baschar al-Assad (li.) und Hisbollah-Chef Hasan Nasrallah (re.) im libanesischen Baalbek; Foto: Fabian Schmidmeier

Ein wichtiger Aspekt in den einzelnen Stufen der Radikalisierung und Konfessionalisierung in Syrien und dem Irak ist der Eintritt radikal-schiitischer Kämpfer in den syrischen Bürgerkrieg. Dieser Aspekt wird bei der Betrachtung von Auslandskämpfern in Syrien und dem Aufstieg radikaler Kräfte meist übersehen. In Teil 3 der Reihe Syrien: Wie konnte sich die Revolution radikalisieren? betrachte ich daher eine Auswahl radikal-schiitischer Kampfgruppen und deren Mobilisierung für einen bewaffneten Dschihad in Syrien – an der Seite von Assad.

Inhalt:

1.„Labbayka ya Husain“: Radikal-schiitische Kämpfer für Assad

2. Die Iranischen Revolutionsgarden in Syrien

3. Der Eintritt der libanesischen Hisbollah in den Krieg: Die Schlacht von al-Qusair als Anfang des offen konfessionellen Konfliktes

3.1 Hasan Nasrallahs Rede zum Eintritt der Hisbollah in den syrischen Bürgerkrieg

3.2 Mutmaßliche Kriegsverbrechen der Hisbollah auf dem Schlachtfeld in Syrien

4. Liwa Aba l-Fadl al-Abbas (dt. „Abbas Brigade“)

5. Liwa Dhu l-Fiqar (Dhu l-Fiqar-Brigade)

6. Liwa Ammar ibn Yasir (Ibn Yasir-Brigade) in Aleppo

7. Mobilisierung des kollektiven Gedächtnisses der Schiiten

8. Fazit: Eintritt schiitischer Kampfgruppen als Eskalationsstufe für einen konfessionellen Konflikt


 

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Assad der lachende Dritte

Nachdem die großen syrischen Rebelleneinheiten vor gut zwei Wochen eine Großoffensive gegen die al-Qaida-Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) begannen (DerOrient.com berichtete), scheint sich eine Befürchtung innerhalb der Opposition zu bewahrheiten: Assad versucht von der Zerstrittenheit seiner Gegner militärisch zu profitieren.

RebellengegenAssadAleppoISIS musste unterdessen die meisten Stellungen im Großraum Aleppo räumen. Nord-Syrien war seit dem Beginn der Kämpfe und dem Sturm auf Aleppo im Juli 2012 fest in Rebellenhand. Unterstützt wurden die Rebellen vielerorts von salafistischen Jihadisten aus dem Ausland, die über besondere Kampferfahrung verfügten und daher als Spezialeinheiten der Rebellen fungierten. Doch diese fallen nun weg. Im Osten Syriens erleiden die syrischen Rebellen massive Verluste gegen die Kämpfer von ISIS, da diese über Nachschubrouten aus dem Irak verfügen. ISIS konnte die ost-syrische Stadt ar-Raqqa und das Umland inzwischen wieder unter militärische Kontrolle bringen.

Jetzt versuchen regimetreue Truppenkontingente genau an den Stellen vorzustoßen, die von den kampfstarken al-Qaida-Kämpfern zuvor geräumt worden waren. Al-Qaida verfährt bei seinem Rückzug nach dem Grundsatz „verbrannte Erde“. Droht die Einnahme eines Hauptquartieres oder einer Stellung durch die Freie Syrische Armee, die Islamische Front und deren Verbündete, werden alle Gefangenen zusammengetrieben und erschossen. Gelingt es einer al-Qaida-Einheit Rebellen gefangen zu nehmen, werden diese auf der Stelle exekutiert. Alle gegen al-Qaida kämpfende Rebellen werden als Ungläubige oder Apostaten angesehen und sind damit hinzurichten.

Nach Angaben des arabischen Nachritensenders al-Jazeera hat die Syrische Armee von Baschar al-Assad damit begonnen, strategisch wichtige Zugangsstraßen und Gebiete am Stadtrand der Wirtschaftsmetropole Aleppo zu attackieren und kann jetzt erfolgreicher vorstoßen, da große Kontingente der Rebellenbrigade im Kampf gegen al-Qaida gebunden sind. Unterstützt wird Assad inzwischen auch im Umland von Aleppo von schiitischen Jihadisten aus dem Irak und der libanesischen Hisbollah.

Analyse der Ereignisse der Revolution in Syrien von März 2011 bis Mai 2013:

Was man über den Syrienkonflikt wissen sollte

Eine Zusammenfassung der Ereignisse von der Schlacht um al-Qusayr Mitte 2013 bis heute ist in Bearbeitung

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Interview: Was wollen Syriens Salafisten?

Fotogalerie: Der Libanon und der Arabische Frühling

Der Libanon gilt im Hinblick auf die aktuelle Lage in Syrien als eine Art „Mikrokosmos“ seines großen Nachbarlandes. Durch die enge historische, wirtschaftliche und politische Verwicklungen beider Staaten, hat der syrische Bürgerkrieg auch enorme Auswirkungen auf den Zedernstaat. Immer deutlicher treten konfessionelle Gegensätze zutage, große Teile der Bevölkerung positionieren sich zusehends für und gegen eine der jeweiligen Seiten.

Vor allem in der Hauptstadt Beirut erkennt man eine Art „Kleinkrieg“ von Streetart-Aktivisten, die je nach unterschiedlicher Sichtweise Stellung zum Arabischen Frühling nehmen. Andernorts versucht man auf andere Art und Weise seine politische Haltung zu präsentieren.

Fabian Schmidmeier hat sich in Beirut und der Bekaa-Ebene umgesehen, wie sich Konfessionalismus und Arabischer Frühling auf der Straße bemerkbar machen.

Was man über den Syrien-Konflikt wissen sollte

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Syrien ist aus der Berichterstattung nicht mehr wegzudenken. Ständig sieht man Bilder leidender Zivilisten, zerstörter Städte und vom Kampf der Rebellen der Freien Syrischen Armee gegen einen grausamen Diktator. Für Unkundige erscheint dieser Konflikt besonders kompliziert. Wie konnte es dazu kommen, dass die Gewalt derart eskaliert? Schließlich begann die Revolution mit Demonstrationen für mehr Freiheit und nicht mit einer bewaffneten Rebellion. Wer kämpft eigentlich gegen wen? Was für eine Rolle spielen al-Qaida oder die Hisbollah? Folgender Artikel soll die wichtigsten Fragen so einfach wie möglich und umfassend wie nötig beantworten und ist an ein Publikum gerichtet, dass sich nicht ständig mit dieser Thematik auseinandersetzt.

Inhalt

1. Wie alles begann

2. Proteste für ein demokratisches Syrien und den Sturz des Regimes

3. Die Gründung der Freien Syrischen Armee

4. Zwischenfrage: Warum spielt die Religion bei dem Konflikt eine so große Rolle?

5. Zwischenfrage: Wer kämpft gegen wen?

6. Erstes Auftreten sunnitischer Islamisten

7. Menschrechtsverletzungen und Übergriffe auf die Zivilbevölkerung

8. Warum konnten die sunnitischen Islamisten so stark werden?

9. Der Sturm der Freien Syrischen Armee auf Aleppo: Mit dem Islam gegen Assad

10. Al-Qaida in Syrien: Die Kämpfer von Jabhat an-Nusrah

11. Andere große sunnitisch-islamistische Verbände

12. Interessen der Staaten Iran, USA, Russland und Israel

13. Sunniten gegen Schiiten: Der Eintritt von Hisbollah und schiitischen Milizen in den Krieg (mehr …)

Libanon: PR-Offensive der Hisbollah

Seit dem Ende des Krieges zwischen der schiitischen Hisbollah und der israelischen Armee im Jahre 2006 ist es relativ still um die einst im Libanon als „al-Muqawama“ (arab. für Widerstand) so gefeierte und im Westen als Terrorgruppe gefürchtete Miliz geworden. Doch tatsächlich befindet sich die „Partei Gottes“ (arab. Hizbullah) in einer prekären Situation: Der Hauptverbündete Iran ächzt unter den internationalen Sanktionen und das Assad-Regime, das die Truppe bisher logistisch und waffentechnisch versorgte, wankt zusehends wegen eines Volksaufstandes. Um diese kritische Lage etwas zu entschärfen, bedient sich die Hisbollah nun des neuen Konzepts des „Widerstands-Tourismus“, wofür sie eigens Besucherparks im Süden des Zedernstaates errichten ließ. Mit dieser PR-Offensive möchte sich die Hisbollah wieder primär als libanesische Widerstandsgruppe und Partei präsentieren. Das Vice-Team hat für Journeyman Pictures einen solchen Park besucht und mit Mitgliedern und Gegnern der Hisbollah über den Konflikt mit dem Nachbarn Israel und die neuen politischen Verhältnisse seit dem Arabischen Frühling gesprochen.

Fotos zum Thema

ZDF: Israel und seine Zäune

Kein Land dieser Welt sichert seine Grenzen so stark wie der Staat Israel. Meist werden dort große, mit Berührungssensoren versehene, Zäune errichtet, um Milizionäre aus den Nachbarländern, aber auch Flüchtlinge aus Afrika, von einem Betreten israelischen Territoriums abzuhalten. Überdies errichtet das israelische Militär eine Mauer auf palästinensischen Territorium, was auf der einen als Sicherheits-, auf der anderen Seite als Apartheidsmauer bezeichnet wird.

Der ZDF-Israel-Korrespondent Christian Sievers hat sich daher mit einem Kamerateam aufgemacht, um einmal rund um Israel und die besetzten Gebiete zu fahren. Seine Reise führt ihn von Tel Aviv an die Nordgrenze zum Libanon, über die zu Syrien gehörenden und von Israel annektierten Golanhöhen und das Jordantal,  zur ägyptischen Grenze in die Negev-Wüste. Eine interessante Momentaufnahme von einem Land, das sich von der umliegenden Region immer mehr abzuschotten versucht.

Teil 1

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