Bürgerkrieg

Dokumentation „Aleppo. Notes from the dark“

Vor 4 Jahren galt Aleppo als Wirtschaftsmetropole Syriens und ein Zentrum von kulturellem Erbe. Seit dem Beginn der Revolution hat sich das Leben der Stadtbewohner radikal verändert. Davon handelt die Dokumentation „Aleppo. Notes from the dark“

Trailer „Aleppo. Notes from the dark“ from Studio Szumowski on Vimeo.

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Assad der lachende Dritte

Nachdem die großen syrischen Rebelleneinheiten vor gut zwei Wochen eine Großoffensive gegen die al-Qaida-Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) begannen (DerOrient.com berichtete), scheint sich eine Befürchtung innerhalb der Opposition zu bewahrheiten: Assad versucht von der Zerstrittenheit seiner Gegner militärisch zu profitieren.

RebellengegenAssadAleppoISIS musste unterdessen die meisten Stellungen im Großraum Aleppo räumen. Nord-Syrien war seit dem Beginn der Kämpfe und dem Sturm auf Aleppo im Juli 2012 fest in Rebellenhand. Unterstützt wurden die Rebellen vielerorts von salafistischen Jihadisten aus dem Ausland, die über besondere Kampferfahrung verfügten und daher als Spezialeinheiten der Rebellen fungierten. Doch diese fallen nun weg. Im Osten Syriens erleiden die syrischen Rebellen massive Verluste gegen die Kämpfer von ISIS, da diese über Nachschubrouten aus dem Irak verfügen. ISIS konnte die ost-syrische Stadt ar-Raqqa und das Umland inzwischen wieder unter militärische Kontrolle bringen.

Jetzt versuchen regimetreue Truppenkontingente genau an den Stellen vorzustoßen, die von den kampfstarken al-Qaida-Kämpfern zuvor geräumt worden waren. Al-Qaida verfährt bei seinem Rückzug nach dem Grundsatz „verbrannte Erde“. Droht die Einnahme eines Hauptquartieres oder einer Stellung durch die Freie Syrische Armee, die Islamische Front und deren Verbündete, werden alle Gefangenen zusammengetrieben und erschossen. Gelingt es einer al-Qaida-Einheit Rebellen gefangen zu nehmen, werden diese auf der Stelle exekutiert. Alle gegen al-Qaida kämpfende Rebellen werden als Ungläubige oder Apostaten angesehen und sind damit hinzurichten.

Nach Angaben des arabischen Nachritensenders al-Jazeera hat die Syrische Armee von Baschar al-Assad damit begonnen, strategisch wichtige Zugangsstraßen und Gebiete am Stadtrand der Wirtschaftsmetropole Aleppo zu attackieren und kann jetzt erfolgreicher vorstoßen, da große Kontingente der Rebellenbrigade im Kampf gegen al-Qaida gebunden sind. Unterstützt wird Assad inzwischen auch im Umland von Aleppo von schiitischen Jihadisten aus dem Irak und der libanesischen Hisbollah.

Analyse der Ereignisse der Revolution in Syrien von März 2011 bis Mai 2013:

Was man über den Syrienkonflikt wissen sollte

Eine Zusammenfassung der Ereignisse von der Schlacht um al-Qusayr Mitte 2013 bis heute ist in Bearbeitung

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Interview: Was wollen Syriens Salafisten?

Interview: Was wollen Syriens Salafisten?

Am 22. November 2013 schlossen sich sieben islamistische Rebellengruppen in Syrien zur Dachorganisation Islamische Front zusammen. Diese beinhaltet die salafistische Gruppe Ahrar ash-Sham (dt. die Freien Groß-Syriens), die in ganz Syrien operiert, die Suqur al-Sham (dt. die Falken Groß-Syriens) aus Idlib, die bisher gemäßigt auftretende und früher unter Kommando der FSA kämpfende Liwa’u t-Tawhid (dt Einheitsbrigade) aus Aleppo, die Dschaisch al-Islam (dt. Armee des Islam) aus Damaskus, Liwa’u l-Haqq (dt. Wahrheitsbrigade) und die al-Dschabhat al-Kurdiya (dt. Kurdische Front). Die Islamische Front löste damit die Freie Syrische Armee als größte oppositionelle Kampforganisation  (mit zwischen 45.000 und 60.000 Kämpfern) ab. Ziel der Islamischen Front ist die Etablierung eines Islamischen Staates. Doch gleichzeitig ist der Kampfbund ein Gegner der al-Qaida-Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS bzw. ISIL).

Doch was wollen Syriens Salafisten? Was heißt für sie Scharia? Was sagen sie zu Frauenrechten, Rechten für Minderheiten, wie Christen, Schiiten, etc.?

Al-Jazeera hat sich mit dem Chef von Ahrar al-Sham und Leiter des Politbüros der Islamischen Front, Hassan Aboud, getroffen, um ihm diese Fragen zu stellen.

Aleppo: Rebellen organisieren sich

Um die Stadt Aleppo wird seit den neuen Offensiven der Rebellen erbittert gekämpft. In einer Videobotschaft erklärte ein Vertreter vor hunderten Kämpfern die Zusammenfassung einzelner Kata’ib (Kampfeinheiten) zu einer großen Brigade, der Liwa at-Tawhid (Einheitsbrigade). Durch diese Konzentrierung und Zentralisierung der Organisationsstruktur erhoffen sie sich eine erhöhte Schlagkraft gegenüber der militärisch überlegenen Armee Baschar al-Asads. Während in Damaskus einzelne Stadtviertel von regierungstreuen Truppen zurückerobert wurden, kann die Tawhid-Brigade in Aleppo anscheinend Geländegewinne verbuchen. Nach eigenem Bekunden möchten sie die Zivilbevölkerung vor Übergriffen regierungstreuer Milizen schützen. Auch Alawiten und andere religiöse Minderheiten hätten nichts zu befürchten. Jedoch steht diese Brigade merklich unter Einfluss radikalislamischer Kräfte, die seit längerem versuchen, die demokratische Freiheitsbewegung der Syrer zu unterwandern.

Direkt im Anschluss der Videobotschaft machten sich hunderte Kämpfer der Lawa’u t-Tawhid auf nach Aleppo. Assads Regime scheint die Kontrolle völlig entglitten, da sich die große Anzahl an Kämpfern auf freiem Feld völlig ungehindert der strategisch und ökonomisch wichtigsten Stadt Syriens nähern kann.

Video einer Militäraktion der Tawhid-Brigade (nicht geeignet für Personen unter 18 Jahren!)

Militäraktion der Liwa’u t-Tawhid im Bezirk Hanano von Aleppo

Syrien: Das Morden geht weiter

Ein Jahr nach dem Beginn des Aufstandes gegen die Diktatur Bashar al-Assads dreht sich die Spirale der Gewalt weiter. Nachdem sich immer mehr Zivilisten der Freien Syrischen Armee anschließen und reguläre Truppen in Scharen zu den Aufständischen übertreten, haben sich seit ein paar Wochen scheinbar auch al-Qa’ida-Bataillone dem Widerstand angeschlossen. Dies dürfte dazu führen, dass in Syrien vollends ein konfessioneller Kampf entbrennt und der eigentliche Konflikt um den Sturz eines undemokratischen und nicht legitimierten, diktatorischen Systems ins Hintertreffen gerät. Vor allem salafistische Teile der Aufstansbewegung, allen voran die wohl auch über die saudische und irakische Grenze eingesickerten Kämpfer der al-Qa’ida sehen die christlichen Syrer und auch die muslimischen, aber schiitischen Alawiten, zu denen auch Bashar al-Assad gehört, als Ungläubige und damit auch als Freiwild an. Wie im Irak könnten diese dann zur Zielscheibe von Greueltaten ungekannten Ausmaßes werden, was dem anfänglichen Anliegen an einem freien Gesamtsyrien aller Konfessionen entgegensteht. Auch Bashar al-Assad heizt diesen Konflikt immer weiter an, wenn er Demonstranten pauschal als islamistische Extremisten verurteilt und mit einer erbarmungslosen Brutalität wahllos Stadtviertel im ganzen Land bombardieren lässt. Nachdem Assad bereits vor drei Wochen angekündigt hat, mit einer Offensive diverse Städte von der Freien Syrischen Armee zu „säubern“, scheint sein Vorhaben gescheitert. In den vergangenen Tagen und auch heute, erreichten uns immer wieder neue Bilder und Videos von neuen erbitterten Kämpfen um die Städte Homs, Hama, Aleppo oder Deir az-Zur.

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