In Gedanken bei den Menschen in Aleppo…

Aleppo: Endschlacht um Syrien?

Vor rund zwei Monaten noch schien die Armee Baschar al-Assads der Lage in Syrien Herr zu werden. Zu schwach war die aufständische Freie Syrische Armee und die kleinen lokalen Milizen. Doch inzwischen scheint sich zu bewahrheiten, was viele Beobachter des Konfliktes lange befürchtet haben, nämlich eine massive Radikalisierung und Konfessionalisierung. War es einst eine gesamtsyrische Bewegung, die neben der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit auch Alawiten, Christen und Drusen umfasste, so ist dieses anfängliche Erscheinungsbild längst einem oftmals radikalisamischen gewichen. Doch diese Hinwendung eines großen Teiles der bewaffneten Opposition zu konservativ-islamischen Positionen scheint auch eins mit sich zu bringen: Stärke.

Längst bekommen Assads Truppen weite Teile des Landes nicht mehr unter ihre Kontrolle, kann der Präsident nicht mehr von einer terroristischen Minderheit sprechen, die man schnell besiegen könne. Es war ein massiver Schlag gegen das syrische Baath-Regime, „Aleppo: Endschlacht um Syrien?“ weiterlesen

Aleppo: Rebellen organisieren sich

Um die Stadt Aleppo wird seit den neuen Offensiven der Rebellen erbittert gekämpft. In einer Videobotschaft erklärte ein Vertreter vor hunderten Kämpfern die Zusammenfassung einzelner Kata’ib (Kampfeinheiten) zu einer großen Brigade, der Liwa at-Tawhid (Einheitsbrigade). Durch diese Konzentrierung und Zentralisierung der Organisationsstruktur erhoffen sie sich eine erhöhte Schlagkraft gegenüber der militärisch überlegenen Armee Baschar al-Asads. Während in Damaskus einzelne Stadtviertel von regierungstreuen Truppen zurückerobert wurden, kann die Tawhid-Brigade in Aleppo anscheinend Geländegewinne verbuchen. Nach eigenem Bekunden möchten sie die Zivilbevölkerung vor Übergriffen regierungstreuer Milizen schützen. Auch Alawiten und andere religiöse Minderheiten hätten nichts zu befürchten. Jedoch steht diese Brigade merklich unter Einfluss radikalislamischer Kräfte, die seit längerem versuchen, die demokratische Freiheitsbewegung der Syrer zu unterwandern.

Direkt im Anschluss der Videobotschaft machten sich hunderte Kämpfer der Lawa’u t-Tawhid auf nach Aleppo. Assads Regime scheint die Kontrolle völlig entglitten, da sich die große Anzahl an Kämpfern auf freiem Feld völlig ungehindert der strategisch und ökonomisch wichtigsten Stadt Syriens nähern kann.

Video einer Militäraktion der Tawhid-Brigade (nicht geeignet für Personen unter 18 Jahren!)

Militäraktion der Liwa’u t-Tawhid im Bezirk Hanano von Aleppo

Damaskus: „Dead bodies everywhere…Assad is killing his own people“

Hier könnt Ihr Dialoge zwischen einer Deutschen und zwei Syrern aus Damaskus verfolgen, die von den gestrigen Kämpfen in der syrischen Hauptstadt berichten und Videomaterial zur Verfügung stellen.(Namen wurden gekürzt)

A.: dead bodies everywhere in the streets and we cant burry them because of snipers outside. Bashar Al Assad is killing his people. we may not stay alive till tomorrow. heavy missle on all areas

A.: at the moment there are snipers everywhere

 when did it start today? and why? did people today demonstrated and that is why the regime started to shoot at them?

A.: no

A.: but the regime felt that everything is going out of control
army is refusing shooting innocent people
and they leave the army to make defence groups
defence groups are getting big
they want to use violence because everything is out of the regime’s control. „Damaskus: „Dead bodies everywhere…Assad is killing his own people““ weiterlesen

Kommentar zur Zuspitzung der Kämpfe in Syrien

von Fabian Schmidmeier

Gut eine Woche ist es her, seitdem die Blauhelme ihre Syrienmission verfrüht abbrachen. Sie sollten eigentlich einen vereinbarten Waffenstillstand zwischen den regimetreuen Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und der Freien Syrischen Armee (FSA) überwachen. Doch der auf Vermittlung Kofi Annans zustandegekommene Plan wurde von Anfang an mehr ignoriert als eingehalten. Das Ende der Mission war anfangs auf den 20. Juni angesetzt worden. Doch beide Konfliktparteien wollten sich bis dahin einen militärischen Vorteil erkämpfen. Die Armee Assads schoss wahllos in Stadtviertel von Homs, Idlib, Daraa und anderen Städten, nahm dabei die Tötung von Zivilisten billigend in Kauf. „Kommentar zur Zuspitzung der Kämpfe in Syrien“ weiterlesen

Syrien: Das Morden geht weiter

Ein Jahr nach dem Beginn des Aufstandes gegen die Diktatur Bashar al-Assads dreht sich die Spirale der Gewalt weiter. Nachdem sich immer mehr Zivilisten der Freien Syrischen Armee anschließen und reguläre Truppen in Scharen zu den Aufständischen übertreten, haben sich seit ein paar Wochen scheinbar auch al-Qa’ida-Bataillone dem Widerstand angeschlossen. Dies dürfte dazu führen, dass in Syrien vollends ein konfessioneller Kampf entbrennt und der eigentliche Konflikt um den Sturz eines undemokratischen und nicht legitimierten, diktatorischen Systems ins Hintertreffen gerät. Vor allem salafistische Teile der Aufstansbewegung, allen voran die wohl auch über die saudische und irakische Grenze eingesickerten Kämpfer der al-Qa’ida sehen die christlichen Syrer und auch die muslimischen, aber schiitischen Alawiten, zu denen auch Bashar al-Assad gehört, als Ungläubige und damit auch als Freiwild an. Wie im Irak könnten diese dann zur Zielscheibe von Greueltaten ungekannten Ausmaßes werden, was dem anfänglichen Anliegen an einem freien Gesamtsyrien aller Konfessionen entgegensteht. Auch Bashar al-Assad heizt diesen Konflikt immer weiter an, wenn er Demonstranten pauschal als islamistische Extremisten verurteilt und mit einer erbarmungslosen Brutalität wahllos Stadtviertel im ganzen Land bombardieren lässt. Nachdem Assad bereits vor drei Wochen angekündigt hat, mit einer Offensive diverse Städte von der Freien Syrischen Armee zu „säubern“, scheint sein Vorhaben gescheitert. In den vergangenen Tagen und auch heute, erreichten uns immer wieder neue Bilder und Videos von neuen erbitterten Kämpfen um die Städte Homs, Hama, Aleppo oder Deir az-Zur.

„Syrien: Das Morden geht weiter“ weiterlesen