Arabischer Frühling

„Islamistische“ Bewegungen seit dem Arabischen Frühling in Tunesien, Ägypten und Syrien

Mein neuer Artikel für die Politischen Studien (Nr. 471) der Hanns Seidel Stiftung über die Entwicklung „islamistischer“ Bewegungen in Tunesien, Ägypten und Syrien ist jetzt online: https://www.hss.de/d…/publications/PS_471_NAHER_OSTEN_04.pdf

Bildschirmfoto 2017-03-18 um 10.51.40.png

Ungeklärte Fragen zum Konter von Jürgen Todenhöfer auf Kritik an seinem al-Qaida-Interview

Bildschirmfoto 2016-09-28 um 21.24.21.pngEs hat einige Zeit gedauert, bis Jürgen Todenhöfer auf kritische Fragen zu seinem jüngsten Interview (DerOrient.com berichtete) mit einem angeblichen al-Qaida-Kommandeur bei Aleppo eingegangen ist. Auf Facebook veröffentlichte er einen „Konter“. Die meisten Fragen lässt Todenhöfer allerdings unbeantwortet und seine Stellungnahme werfen neue auf.

Jürgen Todenhöfer wirft seinen Kritikern vor: „dass [diese] einer Terrororganisation mehr glauben als mir ist schon ein Hammer“. Dabei geht es hier überhaupt nicht darum al-Nusra, die bereits seit zwei Monaten Jabhat Fath al-Sham heißt, mehr zu glauben, denn es gibt weitaus mehr Punkte, die Zweifel schüren, als die Stellungnahme der Organisation, dass Todenhöfer nicht bei ihr gewesen sei.

Das Argument mit dem Goldring ist tatsächlich mit Abstand das schwächste. So ist es zwar unwahrscheinlich, dass ein Kommandeur einer inzwischen so wichtigen Einheit wie der ex-al-Nusra bei einem Interview einen solchen Ring trägt, aber nicht gänzlich unmöglich.

Todenhöfer zitiert den Pro-Assad-Sender al-Mayadeen, um den Vorwurf, al-Qaida arbeite direkt mit israelischen Offizieren in Syrien zusammen, zu bestätigen. Diesen Sender als Beweis für solche harten Anschuldigungen zu belegen reicht bei weitem nicht aus.

Doch wirft ein weiteres Gegenargument Todenhöfers größere Fragen auf: Todenhöfer behauptet, dass das Interview nicht im Steinbruch Ayn al-Asafeer, sondern bei Khan Tuman geführt wurde. Bei Khan Tuman gibt es tatsächlich eine starke ex-Nusra-Präsenz, da die Stadt fest in Rebellenhand ist. Insofern könnte es durchaus stimmen, dass dort ein Kommandeur interviewt wurde. Allerdings spricht der angebliche Kommandeur davon, dass der Ort des Interviews in der Nähe von Sheikh Saeed, einem großen Stadtviertel von Aleppo, liege. Nahe Sheikh Saeed findet sich ein Steinbruch, welchen Kritiker von Todenhöfer mit ziemlich guten Methoden lokalisieren konnten.

Mit den gleichen Verfahren werden im Syrien-Krieg Frontverläufe ziemlich genau ermittelt. Der Steinbruch von Khan Tuman liegt aber weit von Sheikh Saeed entfernt, womit Todenhöfer den Ortsangaben seines Interviewpartners direkt widerspricht.

Bildschirmfoto 2016-09-28 um 21.21.42.png

Interessant ist bei Todenhöfers Konter zudem die mitunter aggressive und ausfällige Rhetorik. Seine Kritiker bezeichnet er als „einige Ignoranten“ und „Propagandisten“ von al-Qaida. Nein, es gab offene Fragen, diese wurden gestellt. Wenn Todenhöfer im Recht ist, wieso widerlegt er seine Kritiker nicht sachlich? Wieso sagt er nicht „Ihr habt euch hier getäuscht, weil …“ und präsentiert schlüssige Beweise? Beleidigungen wirken alles andere als souverän, sondern eher wie eine Flucht nach vorn. Am wenigsten verständlich bleibt jedoch der Umstand, dass Todenhöfer (oder sein Admin) kritische Kommentare löschen lässt und auch bei sachlicher Kritik die Kommentarfunktion deaktiviert. Mir jedenfalls reichen all diese Punkte, um mir meine unabhängige Meinung zu bilden.

 

Interview mit 3alog: Die Entwicklung des Syrien-Konflikts hin zu einem Krieg mit konfessionellen Zügen

3alog hat mich zu den Entwicklungen in Syrien von Demonstrationen im Zuge des Arabischen Frühlings hin zu einem internationalen Konflikt mit konfessionellen Zügen befragt. Ich habe dabei versucht, die Ereignisse möglichst knapp darzustellen. Bei der Komplexität es Konfliktes mussten daher einige andere Punkte ausgelassen werden.

Deutschlandfunk: Das Weltbild der Muslimbruderschaft

Eine hervorragende Sendung der Koerber Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk von der Zeit kurz nach dem Militärputsch in Ägypten, die sich mit dem Weltbild der gestürzten Muslimbruderschaft auseinandersetzt. Auf dem Podium die Historikerin und Koerber-Studienpreisträgerin Annette Ranko, die Menschenrechtsaktivistin Heba Ahmed, die Grünen-Bundestagsabgeordneten Franziska Brantner und die Islamwissenschaftlerin Prof. Gudrun Krämer. Es moderiert Doris Simon vom Deutschlandfunk

Syrien: Wie konnte sich die Revolution radikalisieren? Teil 6 – Zwischen Regime und Dschihadisten: Christliche Milizen in Syrien

Logo_of_the_Syriac_Military_CouncilTeil 6 der Reihe Syrien: Wie konnte sich die Revolution radikalisieren? betrachtet einige christliche Milizen in Syrien, die sich entweder dem Regime, der Freien Syrischen Armee oder der syrischen PKK (YPG) angeschlossen haben. Der Artikel basiert auf Recherchen bis Ende März 2014 kurz vor dem rasanten Aufstieg des IS ab April, da die Reihe das Vorfeld des Erfolgs des IS beschreibt. Betrachtet werden nur Teilaspekte und eine Auswahl an militanten Organisationen, keine zivilen Oppositionellen oder Regimebefürworter. Auf die Frage, ob sich die Christen mehrheitlich regimenah oder regimekritisch positionieren wird aufgrund der hohen Komplexität und der Tatsache, dass eine Beantwortung dieser Frage nahezu unmöglich ist, verzichtet. Es soll lediglich ein Überblick über einzelne Positionierungen bis zu der Zeit kurz vor den Erfolgen des IS und den damit verbundenen Schwierigkeiten dargestellt werden. (mehr …)