Gedanken zu Straßburg und dschihadistischem Terror in Europa

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

Demonstration des Café Abraham Erlangen gegen Terrorismus im Jahr 2015

Zu aller erst möchte ich meine tiefe Trauer zu dem Terroranschlag eines islamistischen Extremisten ausdrücken, der gestern 3 Menschen nahe des Weihnachtsmarktes ermordete. Die Gemüter in den sozialen Netzwerken sind zurecht erhitzt, doch sollten wir uns auch sachlich damit beschäftigen, wie wir in Zukunft gegen Terroristen und vor allem deren Ideologie vorgehen können. Als studierter Islamwissenschaftler habe ich den Anspruch das zu tun. Ich war dabei immer für eine interkonfessionelle Allianz aus Juden, Muslimen, Christen und Nichtglaubenden. Warum möchte ich hier kurz erklären.

Für viele wirkt interreligiöser Dialog wie realitätsfernes „Gutmenschen“-Gerede, doch steckt dahinter eine konkrete Überlegung nach intensiver Beschäftigung mit Islamismus und Dschihadismus von meiner Seite:

Abu Mus’ab al-Suri als Theoretiker einer Polarisierung

2004/2005 schrieb al-Qaida-Theoretiker Abu Mus’ab al-Suri ein 1600 umfassendes Seiten umfassendes Werk „Der global-islamische Ruf zum Widerstand“ (Da’wat al-muqawamah al-islamiyyah al-‚alamiyyah), in dem er beschrieb, dass al-Qaida die Mehrheit der Muslime niemals hinter sich versammeln könne, da diese deren Ideologie nicht teilen. Er beklagt sinngemäß eine „Verwestlichung der Muslime“. Dabei könne nur eine Polarisierung zwischen „dem Westen“ und Muslimen im Allgemeinen helfen. Diese Polarisierung solle mit Gewalt erreicht werden und zwar nicht nur mit großen Anschlägen, sondern gerade durch sogenannte „Lonely Wulf“-Attacken. Das heißt, Einzeltäter sollen mit Messern auf Menschen losgehen, um sich schießen, Transporter in Menschenmengen steuern etc. Jeder Nichtmuslim soll das Gefühl bekommen, dass es ihn zu jeder Zeit an jedem Ort, auch in seinem kleinen Dorf, treffen könne.

Muslime unter Generalverdacht als Teil der Strategie von al-Qaida und IS

Als Reaktion darauf erhoffen sich al-Suri und al-Qaida, dass Muslime unter einen Generalverdacht gestellt werden und eine immer massiver werdende Diskriminierung eintritt. Die Polarisierung soll immer gewalttätiger werden, damit letztendlich mehr Muslime etwas mit der Ideologie von al-Qaida anfangen können. Das Strategiepapier geht inzwischen teilweise auf. Der Terrorismus wird sehr häufig als „Islamproblem“ im Allgemeinen betrachtet und die Gewalt als logische Konsequenz des Islam an sich wahrgenommen. Vertreter der Neuen Rechten beschreiben pseudojuristisch inzwischen z.B. bei PI-News, wie man ALLE Muslime als „psychisch krank“ einstufen und internieren könnte. Die Identitäre Bewegung zielt mit ihrer „kulturellen“ Apartheidsideologie genau in diese Richtung und auch die AfD stellte im Bundestag den Antrag, den Islam an sich zu verbieten. Für viele mag gerade letztere vermeintliche „Islamkritik“ lange ersehnt gewesen sein, doch die Pauschalisierung hier ist defacto bei den Strategen von al-Qaida als erwünscht formuliert worden.

Eine interkonfessionelle Allianz gegen religiös begründeten Extremismus

Daher halte ich das Vorgehen von AfD und Co. für den falschen Weg. Ich für meinen Teil habe mir zum Ziel gesetzt, radikale Ideologien zu bekämpfen. Dazu gehört, dass man nichts unternimmt, was diesen Terroristen und ihren Ideologen in die Hände spielt, beispielsweise eine Polarisierung hin zu „Europa vs. Islam“. Das heißt nicht, dass auch Radikalisierung innerhalb der muslimischen Community, die leider ein Fakt ist, schön- oder kleingeredet wird, sondern, dass genau diese Ideologien innerislamisch widerlegt und gesellschaftlich sanktioniert werden ohne Muslime und ihre Religion generell dafür verantwortlich zu machen. Eine interkonfessionelle Allianz aus gläubigen Juden, Muslimen und Christen gemeinsam mit Nichtglaubenden kann der Polarisierung etwas entgegensetzen und durchbricht die Strategie von al-Qaida und des IS. Und weil gerade das den schriftlich fixierten Theorien der Terroristen widerspricht, werde ich mich weiterhin für eine solche interkonfessionelle Allianz einsetzen.

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