Syrien: Wie konnte sich die Revolution radikalisieren? Teil 2 – Von der Freien Syrischen Armee zur Islamischen Front

Bildschirmfoto 2015-12-14 um 23.10.58Folgender Artikel ist Teil 2 der Reihe Syrien: Wie konnte sich die Revolution radikalisieren?. Zuletzt wurde die Radikalisierung des Aktivisten Abdel Baset as-Sarout rekonstruiert. Ziel dieses Teils ist es einen Überblick über den Radikalisierungs- und Konfessionalisierungsprozess innerhalb der Freien Syrischen Armee von ihrer Gründung bis zum Dezember 2013 zu verschaffen. So sollen die Ereignisse bis unmittelbar vor dem Aufstieg des IS dargestellt werden. Dafür wurden zahlreiche Fachartikel, Aktivistenvideos und Stellungnahmen ausgewertet. In dem Artikel kann nicht die Entwicklung der gesamten FSA , sondern einzelne Prozesse in Teilen der FSA exemplarisch dargestellt werden.

Dem Verfasser dieses Artikels ist es dabei wichtig zu betonen, dass es sich hierbei nur um die Darstellung eines Teils der Syrischen Revolution und ausschließlich um die Betrachtung militärischer Formationen der bewaffneten Opposition geht und gezielt Konfessionalisierungstendenzen untersucht. Der Text betrifft nicht die zivile Opposition oder ökonomische und andere Gründe für Revolution und Konfessionalisierung.

Der Artikel basiert auf der Bachelorarbeit des Autors. Für die Verständlichkeit wurde allerdings auf die wissenschaftliche Umschrift verzichtet.

Inhaltlicher Überblick:

  1. Die Freie Syrische Armee: Überkonfessionelle aber stark sunnitisch geprägte Revolutionsarmee
  2. Radikalisierungstendenzen und anti-schiitisches Auftreten am Beispiel von Namensgebung und Äußerungen
  3. Betont sunnitisches Auftreten der Freien Syrischen Armee am Beispiel von Liwa’ at- Tawhid in der Schlacht um Aleppo ab Juli 2012
  4.  Beginn der Eroberung Aleppos 
  5.  Die Schlacht um Aleppo als „Türöffner für al-Qaida“ in Syrien 
  6. Die Spaltung der Freien Syrischen Armee und Gründung der Islamischen Front    
  7. Fazit: Das Gesicht der bewaffneten Opposition hat sich verändert 

             

1. Die Freie Syrische Armee: Überkonfessionelle aber stark sunnitisch geprägte Revolutionsarmee

Am 29. Juli 2011 ging eine Gruppe desertierter syrischer Offiziere unter der Führung des Oberst der Luftwaffe, Riyad Musa al-As’ad, mit einem Erklärungsvideo an die Öffentlichkeit, in dem sie die Gründung der Freien Syrischen Armee (FSA) verkündete, deren Ziele primär der Schutz der Zivilbevölkerung und das Ermöglichen der Desertion weiterer Soldaten seien. Al-As’ad betont in dem Video, dass man eine „Nationale Armee formen will, die dazu fähig ist, die Revolution und alle Teile der syrischen Gesellschaft mit all ihren Konfessionen zu schützen“. Die FSA wandte sich direkt zu Beginn ihrer Entstehung gegen jegliche Form des Konfessionalismus.

Trotz des Übertritts vereinzelter christlicher Führungspersonen aus der Armee blieb die Freie Syrische Armee weitgehend sunnitisch geprägt. Sie schien sich aber um das Wohlwollen der christlichen Gemeinschaften in Syrien zu bemühen. In Damaskus erklärte im September 2012 eine Gruppe maskierter Männer mit Kreuzen und der grün- weiß-schwarzen Fahne der Revolution die Gründung einer christlichen Miliz mit dem Namen Helfer Gottes (arab. Anṣār Allāh) als Teil der FSA.

2. Radikalisierungstendenzen und anti-schiitisches Auftreten am Beispiel von Namensgebung und Äußerungen

Mehrere Gruppen in der FSA, die durch ihre Namensgebung anti-alawitisch auffallen, sind die Brigaden, die nach dem sunnitischen Gelehrten Taqi ad-Din ibn Taymiya (1263-1328) benannt sind. Dieser hatte in einer Fatwa konstatiert, Alawiten seien ungläubiger als Juden und Christen und daher mit einem bewaffneten Dschihad zu bekämpfen. (siehe Fatwā von ibn Taymīya gegen die Nusayrīya in Yaron Friedman: The Nuṣayrī-ʿAlawīs. An Introduction of the Religion, History and Identity of the Leading Minority in Syria, Leiden: Brill 2010, S. 303 und S. 308.). Betonenswert ist allerdings, dass ibn Taimiya bei radikalen Salafisten stets selektiv rezipiert wird. So erklärte dieser seinerzeit Alkohol, also etwas mit der Klassifizierung haram, für bestimmte Personengruppen für erlaubt, wenn dadurch Verbrechen verhindert würden.

Beispiele für nach ibn Taymiya benannte Einheiten wären Katibat ibn Taymiya aus dem Homser Stadtteil Talbisa, die am 1. Mai 2012 gegründet wurde und Katibat ibn Taymiya al-Hurani in Ost-Ghouta bei Damaskus, deren Gründung am 09. August 2012 verkündet wurde. Desweiteren formierte sich die Katibat Scheich al-Islam ibn Taymiya li-l-Maham al-Khassa aus Dara’a am 17. August 2012.

Erwähnenswert ist die Katibat al-Qa’aqa’ aus Ost-Ghouta bei Damaskus. Sie erklärte am 29. Juli 2012 ihre Gründung und verwendete dabei die grün-weiß-schwarze Flagge der Opposition. Das Long War Journal der amerikanischen Foundation for Defense of Democracies ordnet sie der FSA zu.  Bei dem Sturm eines Gebäudes, das von regimetreuen Kämpfern verteidigt wurde, rief einer ihrer Kämpfer „wir sind gekommen um euch abzuschlachten, oh Nusayriya (Alawiten)“ (ab 00:10).

3. Betont sunnitisches Auftreten der Freien Syrischen Armee am Beispiel von Liwa’ at- Tawhid in der Schlacht um Aleppo ab Juli 2012

Kristin Helberg, Politikwissenschaftlerin und langjährige Syrienkorrespondentin für ARD und ORF, konstatierte eine zunehmende „Islamisierung“ der des Auftretens der Freien Syrischen Armee ab dem Frühjahr 2012. (Siehe: Helberg, Kristin: Brennpunkt Syrien. Einblick in ein verschlossenes Land, Freiburg: Herder 2012, S. 266.) Einen signifikanten Schritt hin zur Konfessionalisierung bedeutete die Schlacht um Aleppo. In einer Videoerklärung gab ein Sprecher am 18. Juli 2012 vor Tausenden Kämpfern die Gründung der Liwa’ at-Tawhid bekannt. Die Namensgebung ist symbolisch und sunnitisch inspiriert, denn Liwa’ at-Tawhid kann sowohl Einheitsbrigade, als auch Flagge des Monotheismus bedeuten. Auch formulierte man die Revolutionsparole „ḥurriya li-l-abad ghasban anak ya Assad“ (dt. „Freiheit für immer auch gegen deinen Willen oh Assad“), beziehungsweise die für die Freie Syrische Armee umgewandelte „dschaisch al-hurr li-l-abad dayis ala ra’s al-Assad“ (dt. „Freie Armee für immer, tritt auf den Kopf von Assad“), in „qa’idna li-l-abad sayyidna Muhammad“ (dt. „unser Führer für immer, unser Sayyid Muhammad“) um.

Zwar wurde zu Beginn als erstes Ziel der Sturz des Regimes und danach der Schutz von Zivilisten und privatem Besitz angegeben, später aber wurde die Truppe auf die eigene Religion, also den sunnitischen Islam, vereidigt. Die Kämpfer hatten zahlreiche wehende Flaggen in der Menge verteilt. Nur eine davon war die grün-weiß-schwarze Flagge der Opposition. Ansonsten dominierten schlichte weiße Fahnen mit der Aufschrift Allahu akbar.

Die Rebellen rückten schnell in die Stadt Aleppo ein. Das Oberkommando von Liwa’ at-Tawhid nannte die Operation Schlacht al-Furqan zur Befreiung von Aleppo. Al- Furqan ist eine Sure im Koran und auch ein Name für den Koran selbst. Der Sprecher zitierte im Video aus der Sure al-Furqan. Das Wort drückt die Trennung zwischen Gute und Böse aus. Dies veranschaulicht eine zunehmend religiöse Deutung des Kampfes gegen Assad auch seitens der FSA.

Aktivisten organisierten vermehrt Demonstrationen in Aleppiner Vierteln, die eine Befreiung durch die FSA forderten. Im Viertel asch-Scha’ar konnte man die Konfessionalisierung und den damit einhergehenden steigenden Einfluss radikal- islamistischer Gruppierungen bei jenen Demonstrationen nachvollziehen. Am 26. Juli 2012, als der Sturm auf Aleppo bereits in vollem Gange war, organisierten Aktivisten und Kämpfer eine Demonstration, bei der das beliebte Revolutionslied „hurr hurr hurriya“ (dt. „Frei Frei Freiheit“) gesungen wurde.


In der Menschenmenge sind schwarze Fahnen mit muslimischen Glaubensbekenntnis und der Aufschrift Dschabhat an-Nuṣra (dt. „Unterstützungsfront“), der syrischen al-Qaida-Gruppe und ein großes schwarzes Banner mit dem islamischen Glaubensbekenntnis und dem Schriftzug Liwa’ at-Tawhid zu erkennen. Dies ist ein Indiz für intensivere Kooperation zwischen FSA und al-Qaida. Auch der Text des Revolutionsliedes weist einen sunnitischen Konfessionalismus auf. Der Aktivist singt über den Chef der Hisbollah „Steck eine Sandale in deinen Mund oh Hasan Nasrallah/ Du hast Abu Bakr und Abdallah beleidigt/ Du beschuldigst Aischa des Ehebruchs, wer denkst du wer du bist/ Aischa ist die Mutter der Ehre und die Mutter der Gläubigen“. Dieser Teil des Revolutionsliedes ist antischiitisch. Schiiten lehnen Abu Bakr als rechtmäßigen Kalifen ab, wohingegen die Sunniten Abu Bakr als ersten rechteleiteten Kalif und Aischa, eine Prophetenfrau, als „Mutter der Gläubigen“ verehren. Einige schiitische Prediger, wie der in Kuweit ansässige Scheich Yasir al-Khabib, verfluchen Aischa.

4. Beginn der Eroberung Aleppos 

Zwar betonten die Kommandeure von Liwa‘ at-Tawhid, religiöse Minderheiten, so auch die Alawiten, hätten keine Verfolgung zu befürchten. Trotzdem ist der Befehl zum Einmarsch in Aleppo ein signifikanter Wendepunkt zur Islamisierung der Rebellion und damit zur Konfessionalisierung des Bürgerkrieges. Die Islamisierung bewirkte bei den Rebellen zunächst Euphorie und eine Erhöhung der Kampfmoral. Beinahe jubelnd zogen sie von Norden aus nach Aleppo. Die waffentechnisch unterlegenen Brigaden konnten ganze Stadtviertel im Sturm einzunehmen. Teile des Bezirks Hanano wurden regelrecht überrannt.

Über die Lautsprecher von Moscheen wurde die Befreiung von Stadtvierteln durch Liwa’ at-Tawhid verkündet. Die Syrische Arabische Armee setzte verstärkt Panzer gegen die Aufständischen ein. Doch gerade im Viertel Hanano konnten diese mit improvisierten Sprengfallen und Panzerfäusten schnell außer Gefecht gesetzt werden. An der angewandten Taktik der Panzerbekämpfung kann man einen stärkeren Einfluss radikal-islamistischer Kämpfer erkennen. Solche asymmetrische Kriegstaktiken stammen meist von Männern mit Kampferfahrung aus Afghanistan oder dem Libanon. Ohne solche Taktiken hätte der Kampf um Aleppo sehr schnell in einem Desaster für die Freie Syrische Armee enden können. Das zunächst sehr schnelle Vorrücken zeigt aber, dass Milizionäre mit Kampferfahrung aus dem Ausland zugegen gewesen sein müssen. Hierbei handelte es sich um Angehörige der Dschaisch al-Muhadschirin wa-l-Ansar (dt. „Armee der Migranten und der Helfer“) unter der Führung des georgischen Tschetschenen Umar asch-Schischani. Die Tschetschenen standen dem Kavkaz Center und damit dem radikal-islamistischen Kaukasus Emirat nahe. Asch-Schischanis Männern kam in diversen Kämpfen in Aleppo um syrische Militärbasen eine Schlüsselrolle zu. Radikal-salafistische Kämpfer avancierten somit während der Schlacht um Aleppo zu einer Spezialeinheit an der Seite der FSA und konnten dadurch ihren Einfluss ausbauen.

5. Die Schlacht um Aleppo als „Türöffner für al-Qaida“ in Syrien                     

Wie man an den Demonstrationsvideos aus asch-Schaar erkennen kann, gab es eine weitere äußerst schlagkräftige Gruppierung, die in Aleppo versuchte Fuß zu fassen: Die Unterstützungsfront für die Bevölkerung der Levante von Mudschahidin aus derLevante auf den Schlachtfeldern des Dschihad, auf Arabisch al-Dschabha an-Nusra li-Ahl asch-Scham min Mudschahidi sch-Scham fi sahat al-dschihad oder kurz Dschabhat an-Nuṣra. Diese Gruppe machte sich vor allem durch waghalsige Aktionen und gezielte Bombenanschläge auf Regimeeinrichtungen einen Namen. Ihr ideologischer Einfluss war zunächst gering. Die Männer hatten sich zuvor im Einsatz im Irak befunden. Dschabhat an-Nusra hatte somit Kampferfahrung mit der amerikanischen Armee gesammelt, das heißt in der Bekämpfung von Waffensystemen, die der Syrischen Arabischen Armee weit überlegen waren. Militärisch stieg Dschabhat an-Nusra im Jahr 2012 an der Seite von Liwa‘ at-Tawhid zu einer Eliteeinheit auf und knüpfte dabei besonders an bereits radikal-sunnitische Einheiten der FSA an. Für Dschabhat an-Nusra war die Revolution kein Kampf für Demokratie und Freiheit, sondern in erster Linie ein Kampf gegen die Alawiten.

Der Führer von Liwa‘ at-Tawhid, Abdel Qader as-Saleh, bezeichnete die eigene Brigade als eine „islamische Befreiungsfront“ (ab 2:12) und nicht als eine gesamtsyrische, gab sich aber moderat und sprach noch im November 2012 vom zukünftig freien Syrien als „zivilem Staat“. Vor allem säkulare Parteien, aber auch die jeweiligen Ableger der Muslimbruderschaft forderten als Staatsmodell einen „zivilen Staat“. Der Chef des Politbüros von Liwa‘ at-Tawhid, Abd al-Aziz Salama, äußerte sich kritisch über fehlende westliche Unterstützung: „Wenn die Revolution noch ein Jahr dauert, dann werden sie das gesamte syrische Volk sehen wie al-Qaida“ (04:35). Dies zeigt, dass sich Liwa‘ at-Tawhid eher Unterstützung aus dem Westen wünschte als von radikalen Gruppierungen. Liwa‘ at-Tawhid war sich des wachsenden Einflusses von al-Qaida durchaus bewusst, aufgrund der überlegenen Kampfkraft der Truppen al- Assads aber auf deren Hilfe angewiesen.

Der Einfluss der ausländischen Kämpfer und die Enttäuschung über fehlende Unterstützung durch den Westens begünstigten eine Radikalisierung unter den ohnehin schon sehr religiösen Kämpfern der Tawhid-Brigade, die zu einem großen Teil aus dem Umland von Aleppo stammten. Das Aussehen der Kämpfer wandelte sich, denn es wurde vor allem in Aleppo zunehmend Mode, lange Bärte und schwarze Stirnbänder mit dem islamischen Glaubensbekenntnis zu tragen, was bisher vor allem bei dschihadistischen Kämpfern Brauch war. Inzwischen findet sich dies allerdings bei allen Kampfgruppen jeglicher politischer Couleur.

Auch bei der Führung von Liwa’ at-Tawhid machte sich eine zunehmende Radikalisierung bemerkbar. Die unzureichende Unterstützung aus dem Westen und durch die Syrian National Coalition veranlasste Liwa’ at-Tawhid dazu, sich immer mehr in Richtung salafistisch auftretender Milizen zu orientieren und von der FSA loszusagen um neue Koalitionen einzugehen. In einer Erklärung zahlreicher radikal-islamistischer Brigaden vom 18. November 2011, darunter Liwa at-Tawhid, Ahrar asch-Scham und Dschabhat an-Nusra, sagen diese sich gemeinsam von der Syrian National Coalition los und betonen, die Errichtung eines „islamischen Staates“ anzustreben. Nach Aron Lund, einem schwedischen Journalisten und Gastautor beim Middle East Institute, sei dies ein enormer Schlag für die Syrian National Coalition und die FSA gewesen, da Liwa at-Tawhid mit der Kontrolle über Aleppo für die SNC von großer Bedeutung hinsichtlich ihrer Legitimität in Syrien gewesen sei.

6. Die Spaltung der Freien Syrischen Armee und Gründung der Islamischen Front

Ende September 2013 wurden die Differenzen mit der Führung der FSA noch deutlicher, als die Vertreter der größten kämpfenden Oppositionsgruppen, darunter inzwischen deutlich radikalisierte Einheiten, eine gemeinsame Erklärung abgaben und sich komplett von der FSA lossagten. Neben Liwa’ at-Tawhid, Ṣuqur asch-Scham (dt. „die Falken der Levante“) und der Damaszener Miliz Liwa’ al-Islam (dt. „Islam-Brigade“), waren noch die Einheit Nur ad-Din az-Zanki, die 19. Division und acht weitere Brigaden unter den Unterzeichnern. Einige der Brigaden hatten bisher unter der Führung der FSA gekämpft. Für die FSA stellte die Aufkündigung der Gefolgschaft ihrer kampfstärksten Einheiten eine herbe Niederlage dar. Dieser Schritt erfolgte nachdem sich abgezeichnet hatte, dass ein zuvor von Barack Obama angekündigter Militärschlag gegen das Regime, wegen des angeblichen Einsatzes von Chemiewaffen in Damaskus, ausbleiben sollte und sich die US-Regierung mit al-Assad auf einen Deal zur Vernichtung der Chemiewaffen geeinigt hatte.

Kommentatoren befürchteten die Bildung einer radikal-islamischen Allianz, die einerseits gegen das Regime kämpfen, andererseits aber auch gegen die FSA und insbesondere die Einflussnahme des Westens gerichtet sein solle. Diese Prognose sollte bewahrheitete sich am 22. November 2013, als die sieben größten islamistischen Brigaden die Gründung der Islamischen Front bekanntgaben. In der Zwischenzeit hatte Liwa’at-Tawhid einen herben Rückschlag erlitten, als sein Kommandeur Abdel Qader as-Saleg bei einem Luftangriff regimetreuer Truppen getötet wurde. Trotz der Zusammenarbeit mit nationalistisch-salafistischen und dschihadistischen Gruppierungen war Abdel Qader as-Saleh vom Westen als moderat eingeschätzt worden und hatte als möglicher Verbündeter gegolten. Sein mäßigender und einigender Einfluss waren nun nicht mehr vorhanden.

Die radikale Konfessionalisierung machte sich inzwischen bei obersten Führungskräften von Liwa’ at-Tawhid bemerkbar. Am 9. Dezember 2013 twitterte der Chef des Politbüros Abd al-Aziz Salama: „Die Ausrottung/Beseitigung der Alawiten aus der Levante ist der erste Schritt zur Stärkung der Sunniten“.

7. Fazit: Das Gesicht der bewaffneten Opposition hat sich verändert

Nach meiner Einschätzung hat die Schlacht um Aleppo zum Kampf um das Gesicht der Revolution entwickelt und ist durch einen Mangel an militärischer Unterstützung zum Türöffner für die weiträumige Etablierung von al-Qaida auf syrischem Territorium und damit für eine Verbreitung radikal-salafistischen Gedankenguts in einem weiten Teil der Rebellenbewegung. Diesen komplexen Prozess darzustellen ist eine Grundvoraussetzung um den Aufstieg der Terrorgruppe IS nachvollziehen zu können. Ein Teilaspekt dessen war die schrittweise Radikalisierung eines Teils der Freien Syrischen Armee mit unterschiedlichen Gründen.

Ankündigung: In den folgenden Teilen wird es um die nationalistisch-salafistischen und dschihadistischen Kampfgruppen, den Eintritt ausländischer radikal-schiitischer Söldner in den syrischen Bürgerkrieg und die Entwicklung von al-Qaida in Syrien bis zum Aufstieg des IS gehen.

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